5. Juni 2012

Eine kleine Kurzgeschichte 3/3

Und zum letzten Teil. Morgens um zwanzig nach acht Irgendwann nachmittags mit Kopfschmerzen und miristschlecht. Na ganz herzlichen Glückwunsch, mal schauen, wie viele Tippfehler mir das einbringt.
Na ja, wie auch immer... Ich hol mir jetzt erstmal was zu essen.

So. Kekse.

Also. Mehr Hintergrund für diese kleine Episode. Die ist zeitlich schon mitten in den plotrelevanten Handlung gelegen, wird aber so nicht explizit erwähnt. Vorher ist Luzi schon gefallen, vegetiert in der Hölle rum und hat Michael fast umgebracht, der Krieg im Himel ist ausgebrochen und Satan hat sich soeben mit Metatron angelegt, weil er das Ganze einfach nicht mehr einsehen wollte. Also ist er gleich mitgefallen und hat Meta beinahe plattgemacht.
Im Klartext heißt das, dass von den fünf Seraphim zwei in der Hölle hocken, zwei mehr oder weniger halbtot sind und exakt einer noch das tun kann, was er soll.
Ach ja, und Raphael ist ein Erzengel - klar, weiß eigentlich jeder - und seines Zeichens Engel der Heilung.
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Noch während er lief betete er, dass nichts passiert war oder wenigstens nicht das, was er befürchtete. Vielleicht hätte es sogar einen Nutzen, wenn er nicht genau wüsste, dass er viel zu spät kam.
Er fand Metatron am Boden liegend, ragungslos, alle sechs Flügel von sich gestreckt. Vor Schreck blieb er stehen und brauchte viel zu lange, um den Gedanken zu vertreiben, dass alles sinnlos gewesen war.
Bitte, lass sie nicht beide tot sein...
"Metatron?" Er kniete sich hin, legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Metatron, hörst du mich?"
Er reagierte nicht. Aber wenigstens lebte er noch.
"Wo... wo ist Satan?"
Auf einmal kam Bewegung in ihn, er schreckte zurück und zuckte zusammen, als seine Flügel den Boden berührten. In seinem Gesicht stand purer Schrecken geschrieben. "Gefallen", flüsterte er leise mit heiserer Stimme.
Er hatte es geahnt. Von Anfang an, aber...
Es durfte nicht wahr sein. Es durfte einfach nicht passiert sein.
Wie hatte das alles nur schiefgehen können?
"Bist du in..." Die Frage war von Anfang an rhetorisch gewesen, aber er brach ab, als er das Blut sah. Er hatte nur knapp gegen Satan gewonnen und wahrscheinlich auch nur mit Glück - was es tatsächlich nur noch schlimmer machte.
Er reichte Metatron eine Hand. Der nahm sie zögernd, versuchte aufzustehen - und scheiterte, fiel letztendlich in seine Arme. Sein Blick war leer, und wahrscheinlich war es sinnlos, ihn ansprechen zu wollen. Aber dann schloss er von allein die Augen und wurde bewusstlos.
Er seufzte und hielt ihn fest, damit er nicht fiel. "Ich bringe dich zu Raphael, in Ordnung?", sagte er, obwohl ihn niemand hören konnte.

Als er Raphael schließlich fand, waren seine Hände ebenfalls voller Blut. Er musste lächeln, auch wenn ihm gar nicht danach war, aber irgendwie passte es. Schließlich war er nicht ganz unschuldig an der Situation, er hätte es verhindern können, Satans Fall... vielleicht auch Sandalphons verschwinden, vielleicht...
"Störe ich Euch?" Raphael war wiedergekommen. Er sah müde aus - und es konnte tatsächlich sein, dass er über einen Tag nicht geschlafen hatte -, aber wahrscheinlich dachte er gar nicht daran, eine Pause zu machen.
"Nein ist schon in Ordnung." Was für eine Lüge. Alles lag in Trümmern. "Was gibt es?"
"Er wird überleben. Ihr müsst Euch keine Sorgen machen."
"Gut." Innerlich atmete er auf. Wenigstens etwas war nicht ganz so schlimm wie es hätte werden können. "Wie geht es Michael?"
"Er ist außer Lebensgefahr. Möchtet Ihr ihn sehen?"
Er zögerte. Raphael sah nicht sonderlich begeistert von der Idee aus - andererseits machte er sich aber immer ein wenig zu viele Sorgen. "Wenn du nichts dagegen hast."
"Natürlich nicht." Das war gelogen.
"Danke." Er wandte sich um, blieb dann aber noch einmal stehen und schaute Raphael an. "Vergiss die Förmlichkeiten. Sie sind nun wirklich nicht notwendig."
"In... in Ordnung."

Michael sah schrecklich aus. er war blass, hatte Schatten unter den Augen und von dem Elan, der ihn sonst auf Schritt und Tritt begleitete, fehlte jede Spur. Trotzdem lächelte er, wenn auch sichtlich gezwungen. "Was machst du denn hier, Seraphiel? Dich hab' ich am wenigsten erwartet."
Er dachte kurz nach. Es war wohl besser, die Wahrheit zu verschweigen, bevor es ihn zu sehr aufregte - und das würde es. "Ich wollte wissen, wie es dir geht", sagte er schließlich.
Michael seufzte und verzog daraufhin das Gesicht. "Frag nicht", erwiderte er dann leise. "Ich liege hier seit einer halben Ewigkeit herum und es wird wahrscheinlich nochmal so lange dauern, bis Raphael mir mal erlaubt aufzustehen."
"Er macht sich nur Sorgen, mehr nicht. Du bist ungeduldig."
"Ich bin trotzdem nicht so empfindlich wie meine Flügel." Er senkte den Blick. "Ich verstehe das nicht. Ich verstehe nicht, wie er mich so zurichten konnte. Er war mir ebenbürtig, das kann doch nicht..." Er begann zu husten und sank bald darauf vor Schmerzen zurück in die Kissen. "Er... er ist doch keiner von uns... wie kann er dann..."
"Beruhig dich", sagte er vorsichtshalber, obwohl es sowieso nichts brachte. "Es ist wie es ist."
"Wenn ich ihm je nochmal begegne, dann bring ich ihn um."
Als hätte er nie etwas gesagt...
"Seraphiel?" Raphael betrat das Zimmer. Michael richtete sich auf und wollte protestieren, aber sie Beide schnitten ihm mit einer Handbewegung das Wort ab.
"Was gibt es, Raphael?"
"Es geht um Metatron. Er..."
"Sagt mir nicht, dass er auch..."
"Einen Moment. Ich komme sofort."
Kaum hatte Michael den Raum verlassen, entglitten Michaels Gesichtszüge endgültig. Er hatte es tatsächlich geschafft, noch bleicher zu werden. "Sag mir nicht, er auch noch..."
"Doch." Es war schwer, es auszursprechen und noch schwerer die Reaktion mit anzusehen.
"Und..." Er brach ab, als wollte er es gar nicht wissen. "Und Satan?"
Er schwieg eine Weile, wollte es nicht wahrhaben, doch das war Antwort genug. Auch Michael sagte zunächst kein Wort, bewegte sich nicht einmal und schloss nur die Augen. "Du hast recht gehabt", flüsterte er dann. "Du hast recht gehabt, wir werden uns alle hassen..."
Er antwortete nicht. Darauf gab es nichts zu erwidern.
Michael schaute ihn an. "Warum?"
"Ich... weiß es nicht."

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