4. Juni 2012

Eine kleine Kurzgeschichte 2/3

Dann machen wir mal fröhlich weiter mit der zweiten Szene! Dazu muss ich jetzt in bisschen Hintergrund erzählen, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob ich nicht irgendwann mal drüber gebloggt hab. Wenn ja, ist es auch egal, dann lest ihr es eben trotzdem. So.

Also. Es geht um Metatron und Sandalphon, dieses Mal. Die Beiden wurden von Gott mit der Absicht geschaffen, seine Stellvertreter im Himmel zu werden - so wie ein Papst da oben, nur mit weniger Mistbauen. Da aber alle Engel einen gänzlich freien Willen haben, kann er sie ja jetzt schlecht dazu zwingen und stellt sich also vor die Wahl, zu seinem Stellvertreter zu werden oder nicht.
Die Sache hat nur einen Haken: Wenn sie ja sagen, oer einer von Beiden, das ist ja egal, dann wird derjenige mit einem Zauber belegt, der es ihm verbietet zu lügen. Und damit sind auch Notlügen gemeint, und alle möglichen Dinge, die man teilweise im alltäglichen Umgang braucht.
Jetzt ist die Situation zwischen den Beiden so, dass Metatron eher ja sagen will, während Sandalphon versucht ihn davon abzubringen, weil er nicht einsieht, warum sein Bruder nicht mehr lügen soll (Und er versteht den Sinn des Zaubers sowieso nicht ganz.).
In der Szene ist die NEtscheidung noch nicht gefallen, der Zeitpunkt rückt aber deutlich näher und entsprechend ist die Situation.
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"Meinst du, er hat recht?", fragte Sandalphon. Sein Blick war schwer zu deuten, selbst für ihn. "Du glaubst nicht so recht daran, habe ich recht?"
"Ich... ich weiß nicht." Sich jetzt noch Lügen angewöhnen zu wollen, war sinnlos. Bald würde er es nicht mehr können, nicht mehr dürfen.
Der Gedanke daran wurde bitterer, je näher der Zeitpunkt rückte, an dem sie sich Beide entscheiden mussten.
Er schloss die Augen und versuchte zu verdrängen, wenn er schon nicht vergessen konnte.
"Bruder?" Sandalphon legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Was ist?"
Er lächelte. "Nichts. Mach dir keine Gedanken." Die einzige Lüge, die er vermissen würde. Die einzige, die er brauchte, aber das mehr als genug.
"Wirklich?"
"Ja."
Sandalphon seufzte. "Das Übliche, oder?"
"Es ist wirklich..."
"Du bist ein schlechter Lügner", erwiderte er. "Bruder."
Weil du weißt, dass mein Lächeln falsch ist, dachte er. Weil du mich besser kennst als dich selbst. Und weil du der Einzige bist, der sich traut, mir das alles offen zu sagen.
"Du hast dich schon entschieden, habe ich recht?"
Sie betraten ihr Zimmer. Er blieb stehen, wandte sich dann um und schloss die Tür, in der Hoffnung, nicht antworten zu müssen.
"Nun?"
Es war sinnlos gewesen, seinem eigenen Bruder konnte er es nicht verschweigen. Aber mehr als ein Nicken brachte er trotzden nicht zustande.
Sandalphons Gesicht versteinerte augenblicklich. Sein Blick wurde kalt und nach einer Weile so stechend, dass er ihm nicht mehr in die Augen sehen konnte. "Warum?", fragte er mit matter Stimme.
Ja, warum?
Er wusste es selbst nicht genau und noch weniger, je länger er darüber nachdachte.
Sandalphon lehnte sich gegen eine Wand und schloss die Augen. Er sah verzweifelt aus, so sehr, dass sein Anblick einfach nur wehtat.
Es stand auf und verließ das Zimmer wieder, konnte den Anblick nicht ertragen. "Du hast deine Antwort schon", flüsterte er, als er außer Hörweite war. "Michael hat Unrecht. Definitiv."
"Metatron?"
Er sah auf. Seraphiel stand vor ihm und sah tatsächlich nur unwesentlich besser aus als sein Bruder.
"Was ist denn mit dir passiert?"
Er senkte sofort den Blick. Seine Stimme zitterte, während er sprach. "Ich... ich habe Gott um Rat gebeten, aber..." Er brach ab und brauchte eine Weile, bis er weitermachte. "Er schweigt."
Er hatte es fast schon erwartet, aber es zu hören war trotzdem etwas anderes.
Es bedeutete endgültig, dass man nicht mehr vor der Realität davonlaufen konnte.
"Er kann dir keinen Rat geben", sagte er schließlich. "Es gibt nichts, was wir tun können."
"Wie kannst du dir da so sicher sein?"
Es tat weh, die Worte zu benutzen, sie auszusprechen, aber es ging nicht anders, auch wenn er sich wie ein Verräter vorkam.
Im Nachhinein würde er sich das alles nie verzeihen können.

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