9. März 2013

[Kurzgeschichte] Leben und Tod

Azrael und Hanael sind zwei Charakter aus den Engeln, aber eigentlich braucht ihr selbst das nicht wissen, um die Szene zu verstehen. Ich wollte mehr über Azrael erfahren - und nebenbei ist es auch noch ein kleiner Beweis geworden, dass ich vielleicht doch ein bisschen Romantik kann. 
Hoffentlich gefällt es euch. :)

 "Die Leute fürchten mich. Ich bin der Tod, ich bin die Wahrheit, die niemand hören möchte. Aber du nicht, du hast keine Angst. Warum?" Azrael schwieg nach jedem Satz eine lange Weile, so wie es seine Art war. Er hatte seine Kapuze so tief ins Gesicht gezogen, dass nur die untere Hälfte zu sehen war. Seine Körperhaltung verriet nichts über ihn, sein Ton war kalt und gefühllos. aber seine Worte sprachen für sich.
Hanael setzte sich zu ihm. Sie bewahrte Distanz, trotzdem war sie ihm näher als jeder andere. Sie strich sich das Haar aus der Stirn, schaute ihn an und wartete auf den nächsten Satz, den er vielleicht noch sagen würde. Ihre Blicke trafen sich, Azraels Zeichen, dass er fertig war. Sie konnte seine Augen nicht sehen, aber sie spürte es.
"Ich glaube nicht, dass man Angst vor dir haben muss."
Er wandte sich ab, dachte eine Weile nach. Überlegte, ob es notwendig war, überhaupt eine Antwort zu geben. Auch das gehörte zu ihm, die Stille zwischen seinen Worten. "Also fürchtest du den Tod nicht?" Er schaute sie wieder an.
"Ich fürchte dich nicht. Das ist ein Unterschied." Sie legte ihre Hand auf seine. Er zuckte zurück, so unmerklich, dass er sich augenscheinlich nicht bewegte. Aber er ließ die Berührung zu, wie immer. "Ich mag dich, Azrael."
Er wirkte überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet und damit kam er zuerst nicht zurecht. Gefühle waren ihm meist fremd. Einen Großteil eines Schweigens verwendete er darauf zu verstehen.
Hanael ließ ihn. Sie wusste, dass er Schwierigkeiten damit hatte. Seine Gefühle waren ihr ein Rätsel. Aber wenn er sie preisgab, dann log er nicht. Er hatte noch nie gelogen.
"Du magst mich." Er schwieg länger als üblich, aber fertig war er noch nicht. "Sollte ich dich mögen?"
"Ich weiß nicht." Diese Antwort würde ihn nicht zufriedenstellen. "Was sagt dein Herz?"
Ein Lächeln zeigte sich, nur für einen Augenblick. Es war seltsam, dass er das tat. Der Moment war besonders. "Habe ich ein Herz?"
"Bestimmt." Hanael war sich sicher. Sie rutschte näher an Azrael heran, auch das ließ er geschehen. Sein Herz hatte entschieden, aber es brauchte noch eine Weile, um es ihm mitzuteilen.
"Mein Herz ist schwarz. Und kalt."
"Aber es ist da." Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter. Er reagierte nicht, das war gut. Er akzeptierte es. Er akzeptierte sie und wusste es nur noch nicht. Bis er es bewusst verstand, verging noch einige Zeit, in der sie dasaßen und der Stille zuhörten.
"Ich mag dich." Seine Worte hatten Gefühl.

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